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Live-Stream vom 10.02.2022:

„Vertraut euren Kids!“ Web-Coaching für Eltern rund um Grenzen & Freiräume

Unser Studiogast: Eva Schröder

Porträtfoto: Eva Schröder.
privat

Eva Schröder ist Bildungswissenschaftlerin (B.A.) und Mediatorin (Master of Mediation). Seit etwa 15 Jahren ist sie in der Eltern- und Erwachsenenbildung tätig. Unter anderem leitete sie Gruppen für Mütter mit ihren Kindern und arbeitete in einem Projekt für Teenie-Mütter.

Derzeit ist Eva Schröder hauptberuflich im Jugendamt in Pfaffenhofen a. d. Ilm beschäftigt. Mehrere Jahre lang war sie dort Regionalbeauftragte für das Projekt ELTERNTALK, gab Kurse für Eltern und hielt Vorträge in Kitas und Schulen; aktuell arbeitet sie in der Trennungs- und Scheidungsberatung. Daneben ist Eva Schröder auch freiberuflich rund ums Thema Familie aktiv. Sie hält Vorträge zu Erziehungsthemen und Pubertät, berät Eltern und bietet Mediation für Familien an. Eva Schröder hat vier Kinder.

 

Unsere Expertinnen im LIVE-CHAT

  • Anne Kettmann, Diplom-Sozialpädagogin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, kümmert sich vor allem um Fragen rund um Vorschul- und Grundschulkinder. Als Jugendsozialarbeiterin an Schulen ist sie auch fit in Themen, die Jugendliche betreffen.
  • Kerstin Schmied, Systemische Beraterin, ELTERNTALK-Regionalbeauftragte aus Dachau, beantwortet alle Erziehungsfragen rund um Kids bis 14 Jahre.
  • Dr. Martina Stotz, Pädagogin, Schulberaterin und Bloggerin (mein-erziehungsratgeber.de

Best-of-Kurzvideos: 1 Frage, 1 Antwort!

Sie haben nur zweieinhalb Minuten Zeit? Super, das reicht genau für unsere drei Kurzvideos mit je einer Elternfrage und der Antwort mit praktischen Tipps von Familienexpertin Eva Schröder!

Erziehung: Warum sind Grenzen wichtig?

Grenzen geben Orientierung und Sicherheit, erklärt Eva Schröder. Erfahren Sie mehr über Grenzen, Freiräume ... und Hausmauern! Klicken Sie ins Video:

Dieses Video ist untertitelt. Eine Audiodeskription ist dem Video vorangestellt. © fizkes/shutterstock.

Schulweg: Schaffen unsere Kleinen ihn allein?

Ja, findet Familienexpertin Eva Schröder und rät zu einer großen Portion Vertrauen. Schauen Sie rein:

Dieses Video ist untertitelt. Eine Audiodeskription ist dem Video vorangestellt. © Irina Wilhauk/shutterstock.

Rauchen, trinken, Party machen: Wie bringen wir unsere Kinder heil durch die Pubertät?

Indem wir ihnen einen sicheren Hafen bieten, empfiehlt die Familienexpertin. Klicken Sie hier und hören Sie Eva Schröders Tipps im Kurzvideo:

Dieses Video ist untertitelt. Eine Audiodeskription ist dem Video vorangestellt. © oneinchpunch/shutterstock.

Infos: Grenzen setzen & Freiräume eröffnen

Von A wie Anziehen („Selber!!!“) bis Z wie Zubettgehen („Nicht jetzt!!!“): Wer Kinder erzieht, erlebt fast jeden Tag Grenzkonflikte. Manche Eltern haben das Gefühl, Trotzphase und Pubertät gehen nahtlos ineinander über ... Das Gerangel um Grenzen kann nerven. Aber muss es überhaupt sein? Klar, es gibt Grenzen, über die einfach nicht diskutiert werden kann. Im Auto anschallen, Fahrradhelm aufsetzen, keine Steine schlucken oder in die Nase stecken. Aber wie wichtig sind all die anderen, nicht akut lebenswichtigen Grenzen?

Sehr wichtig, unterstreicht die Bildungswissenschaftlerin Eva Schröder. Sie vergleicht Grenzen in der Erziehung mit den Wänden eines Hauses. Sie geben Sicherheit und Orientierung. Sie sind stark und solide, die Kinder können auf sie vertrauen. Im Schutz dieser (Grenz-)Wände können sie sich entfalten. Je älter und erfahrener die Kinder werden, umso weiter können sie sich aus den schützenden Mauern herauswagen und draußen erproben. Zunächst noch begleitet von den Erziehungsverantwortlichen, die bei Bedarf eingreifen und unterstützen können. Und dann immer selbstständiger, bis hin zum Flüggewerden.

Grenzkämpfe vermeiden, zum Beispiel durch Regeln und Rituale

Die gute Nachricht: So mancher Grenzkampf lässt sich vermeiden. Eva Schröder empfiehlt Eltern (ob gemeinsam oder getrennt lebend), sich zusammenzusetzen und zu überlegen: Welche Werte sind uns wichtig? Aus diesen Werten können sie dann gemeinsam alltagstaugliche Regeln („Wenn wir heimkommen, ziehen wir uns die Schuhe aus.“) und auch schöne Rituale („Abendessen, Zähneputzen, vorlesen, kuscheln, Nachtlicht einschalten ... und schlafen.“) entwickeln. Kleinkindern sollte man Regeln nicht erklären, sondern sie ganz selbstverständlich (vor-)leben. Mit dem Heranwachsen des Kindes werden die Grenzregeln immer wieder angepasst; ab dem Schulalter können Eltern und Kinder auch manche Grenzen verhandeln.

Eine Mutter und ihre Tochter putzen gemeinsam ihre Zähne.
visualspace/GettyImages

Rituale helfen, Regeln ganz unbemerkt in den Familienalltag einzubauen. Zum Beispiel: gemeinsam Zähneputzen und dazu das aktuelle Lieblingslied hören.

So viele Grenzen wie nötig – so viel Freiraum wie möglich

Genauso wichtig wie klare Grenzen sind (möglichst viele) Freiräume. Alle Kinder streben nach Autonomie (= Selbstbestimmung). Sie wollen – und müssen – ihre Fähigkeiten erproben können, um zu lernen und sich zu entwickeln. Manchmal gehen dabei Dinge schief. Vielleicht stürzt das Kind beim ersten Versuch alleine Fahrrad zu fahren oder es vergisst das Heft mit den erledigten Hausaufgaben wieder in den Schulranzen zu packen. Das ist nicht schlimm und überhaupt kein Elternversagen, sondern gehört zum Kindsein dazu, versichert Eva Schröder. Eltern sollten an die Fähigkeiten ihrer Kinder glauben, ihnen Vertrauen schenken. Denn (nur) so wächst Selbstvertrauen.

„So viele Grenzen wie nötig – so viel Freiraum wie möglich!“, empfiehlt Eva Schröder. Und weiter: „Leute, vertraut euren Kindern! Setzt Grenzen, gebt Freiräume, schenkt ihnen Herzenswärme. Fühlt euch in eure Kinder ein: Was beschäftigt sie gerade? Wenn etwas vorgefallen ist, hört ihnen zu ... Und wenn ihr unsicher seid: Holt euch Unterstützung. Fragt nach, ob bei der Freundin, dem Nachbarn, in der Kita, der Elterntalk-Runde oder der Erziehungsberatungsstelle!“

Szene zu Hause: Drei Jugendliche sind gemeinsam an ihren Smartphones.
SolStock/GettyImages

Mit zunehmendem Alter wird der Kontakt zu Gleichaltrigen immer wichtiger. Die Jugendlichen lösen sich nach und nach von ihren Eltern; das Behüten wird zum Begleiten.

Das Behüten wird zum Begleiten, die ERziehung wird zur BEziehung

Während das Kind heranwächst, wird das Behüten zum Begleiten, die „Erziehung“ (nach Jesper Juul) zur „Beziehung“. Die „erwachsenenfreie“ Zeit wird immer wichtiger, die Zeit ohne Vorgaben von oben, in der Kinder sich mit Gleichaltrigen treffen oder auch mal allein gepflegte Langeweile genießen können. Wenn in der Pubertät ein Hormoncocktail die Kinderkörper umformt und die Kindergefühle verrätselt, hilft es Eltern, sich ans eigene Jungsein zu erinnern. Doch immer noch müssen sie auch Grenzen ziehen. Ob Alkohol, Ausgehzeit oder Games: Das Jugendschutzgesetz unterstützt Erziehungsberechtigte mit einem klaren Regelwerk.

Und noch ein Tipp von Eva Schröder: „Wenn etwas nicht gut läuft, sollte man die Ursachen ergründen. Die liegen nicht immer im Kind. Seid offen für Selbstreflexion!“

Hier finden Eltern Infos, Tipps & Anlaufstellen

Regalmeter voller Erziehungsratgeber? Nicht nötig. Hier auf BAER.bayern.de finden Familien, Eltern und Erziehende Infos und praktische Tipps zu allen wichtigen Themen. Und wenn Fragen offenbleiben oder mal Probleme auftauchen: Am besten einfach mal bei der Erziehungsberatungsstelle anrufen. Egal, worum es geht, die Familienprofis helfen weiter!

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