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Die Kinderbetreuung

Beitrag aus:
Elternbrief 5
9-10 Monate

Kinderbetreuungsplätze stehen nach wie vor nicht immer in ausreichender Zahl zur Verfügung. Am besten ist es, schon sehr früh einen Platz für sein Kind zu suchen, um es dort anzumelden.

Hilfreich ist es daher, sich rechtzeitig zu erkundigen, wie die Plätze an Ihrem Wohnort vergeben werden. Informationen dazu finden Sie oft auf der Website Ihrer Gemeinde- oder Stadtverwaltung. Sie können sich natürlich auch persönlich danach erkundigen.

Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz

In Deutschland haben Kinder ab dem 1. Geburtstag einen Rechtsan­spruch auf sogenannte frühkindliche Förderung in einer Kindertages­einrichtung oder in einer Kindertagespflege. "Kindertagespflege" heißt, dass das Kind von einer Tagesmutter oder einem Tagesvater beziehungsweise in einer Großtagespflege betreut wird. Die Krippen gehören zu den Kindertagesstätten. Diese werden oft als "KiTa" ab­gekürzt. Alle Familien, die Angebote der Kindertagesbetreuung nutzen möchten, sollen die Möglichkeit dazu haben. Unabhängig davon, ob die Eltern erwerbstätig sind oder nicht.

Das heißt aber nicht, dass Sie automatisch einen Platz in der Einrich­tung bekommen, in der Sie Ihr Kind gerne anmelden würden. Wenn Sie in einem Landkreis wohnen, gilt: Für die Krippen sind die Gemeinden die ersten Ansprechpartner. Für die Tagespflege ist es das zuständige Jugendamt. Wenn Sie in einer kreisfreien Stadt wohnen, finden Sie die Informationen in der Regel immer beim Jugendamt. Bei diesen Stellen müssen Sie sich rechtzeitig melden. Erkundigen Sie sich nach den bei Ihnen vor Ort geltenden Regelungen zur Anmeldung.

Wenn Sie auf der Suche nach einer geeigneten Betreuung für Ihr Kind sind, können Sie sich immer auch an das zuständige Jugendamt wen­den. Hier bekommen Sie Informationen rund um das Thema Kinder­betreuung. Dort werden Sie beraten, welche Betreuungsform für Ihr Kind in Frage kommt. Die Jugendämter klären auch auf, welche Kosten damit verbunden sind.

Das Jugendamt

An das Jugendamt können sich Kinder, Jugendliche, junge Er­wachsene, Eltern und andere Erziehungsberechtigte mit ihren Fragen und bei Problemen wen­den. Das Jugendamt bietet eine Vielzahl von Angeboten und Diensten, informiert über Erzie­hungsthemen und unterstützt bei Erziehungsfragen. Es berät z. B. bei Trennung und Scheidung und hilft bei der Suche nach Kinderbe­treuungsplätzen.

Jede Stadt und jeder Landkreis hat ein eigenes Jugend­amt.

Kinderkrippe

Eine Kinderkrippe kann für Ihr Kind eine sehr gute Be­treuung bieten. Kinderkrippen sind Kindertagesein­richtungen, deren Angebot sich überwiegend an Kinder unter 3 Jahren richtet.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Kinderkrippe sind pädagogisch ausgebildete Fachkräfte. Ihr Kind ist in der Krippe mit anderen Kindern zusammen. Es lernt dort, sich in einer Gruppe zurechtzufinden. Feste Elemente wie gemeinsame Mahlzeiten und andere Rituale wechseln sich mit Zeiten ab, in denen die Kinder frei ihr Spielzeug und ihre Spielfreundinnen und Spielfreunde aussuchen können. Hinzu kommen gezielte Angebote wie Singen, Bewegung, Malen, kleine Ausflüge. Die Angebote wer­den je nach Alter und Entwicklungsstand der Kinder unterschiedlich gestaltet.

Lassen Sie sich regelmäßig von den Mitarbeitenden über den Krippenalltag und die Entwicklung Ihres Kindes be­richten. Bringen Sie Ihre Wünsche und Anliegen vor. Au­ßerdem geben unterschiedliche Veranstaltungen wie z. B. Weihnachtsfeiern oder Sommerfeste einen guten Einblick in die Arbeit der Kinderbetreuungsstätte.

Verschiedene Träger wie Städte oder Gemeinden, Kirchen, Vereine oder Elterninitiativen unterhalten Kinderkrippen. Mittlerweile haben auch größere Firmen entsprechende Ein­richtungen für die Kinder ihrer Mitarbeitenden. Das Angebot deckt dennoch oft nicht die Nachfrage. Darum empfiehlt es sich, sich sehr früh um einen Krippenplatz zu bemühen.

Tagesmutter/Tagesvater

Eine Alternative zur Krippe ist die Betreuung Ihres Kindes durch eine Tagesmutter oder einen Tagesvater. Diese sind in der Regel flexibler als Kinderkrippen mit ihren festen Öffnungszeiten und Ferienregelungen. Allerdings können hier spontane Ausfälle durch eine Erkrankung meistens nicht sofort ersetzt werden. Für die Tagesmutter-/Tagesva­ter-Lösung spricht die familiäre Atmosphäre. Kindertages­pflege (so der Fachbegriff) findet nämlich in der Regel in einer privaten Wohnung statt. Die Gruppe der betreuten Kinder ist viel kleiner als in einer Krippe.

Das Jugendamt kann Ihnen dabei helfen, eine geeignete Betreuungsperson zu finden. Dort erhalten Sie alle Infor­mationen rund um die Tagespflege sowie einen Vordruck für den Betreuungsvertrag. Tagesmütter oder Tagesväter benötigen eine Pflegeerlaubnis vom Jugendamt. Außer­dem müssen sie fachliche Kenntnisse nachweisen. Dafür gibt es entsprechende Schulungen.

Grundsätzliches zur Kinderbetreuung

Wenn Sie mit der Kinderbetreuung starten, dann gibt es einiges zu bedenken. Ihr Kind gewinnt neue Bezugsper­sonen hinzu. Aber es finden auch viele Veränderungen statt, bei denen Sie Ihr Kind begleiten werden.

Eine weitere Bezugsperson für Ihr Kind

Ihr Kind kann eine sehr enge Beziehung zu seiner Bezugs­person in der KiTa oder Tagespflege aufbauen. Für Eltern ist es manchmal gar nicht so einfach, damit umzugehen. Bisher war Ihr Kind vor allem auf Sie fixiert. Jetzt gibt es eine weitere Person, die es im besten Fall sehr gerne hat und zu der es gerne geht. Das kann zu Gefühlen wie Eifersucht oder Konkurrenzgedanken führen. Diese Ge­fühle können durch unterschiedliche Dinge entstehen. Vielleicht sind Sie sich selbst unsicher, ob Sie als Familie die richtige Entscheidung getroffen haben. Oder Sie wä­ren gerne länger zu Hause geblieben, aber die finanzielle oder berufliche Situation ermöglicht das nicht. Vielleicht hat Ihr Kind aber auch eine Bezugsperson, die Ihnen nicht so sympathisch ist.

Wenn Sie sich unwohl fühlen

Egal warum Sie sich unwohl fühlen, auch dieses Empfin­den ist völlig in Ordnung und normal. Doch keine Angst: Ihr Kind weiß genau, wohin und zu wem es gehört. Durch die Bindung, die es zu Ihnen, seinen Eltern, hat, kann es auch Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen. Es kann Ihre stundenweise Abwesenheit gut verarbeiten. Babys sind in der Lage, zu mehreren liebevollen Personen Bindungen einzugehen. Je besser Ihr Verhältnis zu Tages­mutter oder Tagesvater ist, desto wohler wird sich Ihr Kind dort fühlen.

Nehmen Sie sich Zeit für Gespräche

Gute Kommunikation ist wichtig. Meistens findet sich bei den täglichen „Tür- und Angel-Gesprächen“ beim Abgeben und Abholen kurz Zeit, die Betreuungsperson über Aktuelles zu unterrichten. Dann können Sie mitteilen, ob Ihr Kind z. B. eine unruhige Nacht hatte und entsprechend müde sein könnte. Daneben gibt es noch regelmäßige Elternsprech­stunden. Hier haben Sie Zeit, etwas über die Entwicklung Ihres Kindes zu erfahren und können auch Fragen stellen. Dieser Austausch auf Augenhöhe zwischen den Betreuungs­personen und den Eltern des Kindes ist wichtig.

Eingewöhnung

Ihr Kind wird etwas Zeit brauchen, um sich an die neue, ver­änderte Situation zu gewöhnen. Noch vor kurzem war sein Lebensmittelpunkt Ihr gemeinsames Zuhause. Dort kannte es sich aus, wusste, wo seine Sachen sind, und der Tag hatte eine gewisse Routine. In dem Moment, wo die Betreuung außerhalb des eigenen Zuhauses beginnt, muss sich auch Ihr Kind umgewöhnen. Es muss morgens das Haus verlassen und wird entweder in die Krippe oder zur Tagespflege gebracht.

Die Eingewöhnungszeit ist von großer Bedeutung. Der Ablauf wird vorab detailliert mit den Betreuungspersonen besprochen. Die Dauer richtet sich vor allem nach den Be­dürfnissen Ihres Kindes. Beachten Sie hierbei das Eingewöh­nungskonzept der Einrichtung. Auch dies hat Auswirkung auf die Dauer.

In der Regel bleiben Sie in der ersten Zeit mit Ihrem Kind zusammen in der Kinderkrippe oder bei der Tagespflege und ziehen sich erst nach und nach zurück. Das kann heißen, dass Ihr Kind erst nach einigen Wochen so lange dort bleibt, wie Sie es angemeldet haben.

Verabschiedung

Auch wenn die Eingewöhnungsphase abgeschlossen ist, wird ihm der Abschied vielleicht manchmal schwerfallen. Vielleicht haben Sie ja auch Probleme, sich von Ihrem Kind zu trennen? Versuchen Sie, positiv und entspannt zu wirken, auch wenn Ihnen selbst der Abschied schwer­fallen mag. Sonst wird Ihr Kind noch mehr verunsichert. Ein festes Abschiedsritual kann Ihrem Kind (und Ihnen möglicherweise auch) den Abschied erleichtern. Das kann in etwa so aussehen: Jacke ausziehen, Hausschuhe an­ziehen, eine Umarmung, bis zur Tür begleiten, winken, weggehen.

Sollte es hier zu Problemen, Schwierigkeiten oder Fragen kommen, lassen sich diese am besten im gemeinsamen Gespräch mit den Betreuungspersonen Ihres Kindes lösen. Diese sind nicht nur geschult in der Eingewöhnung der Kinder, sondern kennen Sie und Ihr Kind jetzt bereits seit einiger Zeit.

Feste Rituale bei der Verabschiedung helfen Ihrem Kind und Ihnen auch.

Großeltern

Kleine Betreuungslücken lassen sich gut mithilfe von Großeltern, anderen Verwandten, engen Freundinnen oder Freunden oder Babysitterinnen oder Babysittern überbrücken. Gerade wenn es darum geht, dass Sie als Eltern gerne wieder einmal etwas gemeinsam unterneh­men möchten oder Termine wahrnehmen müssen. Oma und Opa übernehmen oft sehr gerne stundenweise die Betreuung ihrer Enkel oder bringen diese auch mal ins Bett. Die Großeltern sind für Ihr Kind in der Regel vertrau­te Personen. Auch Sie als Eltern wissen, dass Sie ihnen vertrauen können.

Grundsätzlich sollten Sie mit Ihren Eltern oder Schwieger­eltern absprechen, was Ihnen bei der Betreuung Ihres Kindes wichtig ist. Großeltern haben ihre eigene Rolle gegenüber ihren Enkeln. Dazu gehört auch, dass sie sich in vielem anders verhalten als die Eltern.

Wenn die Großeltern regelmäßig betreuen

Vielleicht bieten Ihnen Ihre Eltern oder Schwiegereltern auch an, die Betreuung Ihres Kindes zu übernehmen, weil Sie z. B. noch keinen Betreuungsplatz bekommen haben. Voraussetzung hierfür ist es, dass die Großeltern sich dazu gesundheitlich imstande fühlen und eine sol­che Aufgabe gerne übernehmen. Aber auch dann gilt es gut abzuwägen. Denn es handelt sich nicht um die Überbrückung kleinerer Betreuungslücken. Die Groß­eltern betreuen ihren Enkel dann regelmäßig und über viele Stunden hinweg. Sie übernehmen einen Teil der Erziehungsverantwortung.

Die meisten Großeltern verwöhnen ihre Enkel gern. Bei einer regelmäßigen Betreuung sollten aber klare Abspra­chen getroffen werden, was gewünscht ist und was nicht. Sagen Sie, was Ihnen bei der Ernährung oder bei sonsti­gen Erziehungsthemen wichtig ist. Dann sind die Kinder in der familiären Atmosphäre gut aufgehoben.

Babysitterinnen und Babysitter

Ihr Kind sollte seine Babysitterin oder seinen Babysitter in jedem Fall kennenlernen, bevor Sie die beiden alleine lassen. Darüber hinaus müssen Sie in einem grundsätzlichen Gespräch wichtige Fragen klären: Wie die Zeit mit Ihrem Kind gestaltet werden kann, was auf keinen Fall erlaubt ist, wie Sie erreichbar sind, wo der Erste-Hilfe-Kasten steht.

Vergessen Sie nicht: Babysitterinnen und Babysitter können zwar gelegentlich oder auch regelmäßig auf Ihr Kind auf­passen oder auch einspringen, wenn Not am Mann ist. Aber sie ersetzen keinesfalls eine Tagesmutter bzw. einen Tages­vater oder eine Kinderkrippe.

Wenn Sie Babysitterinnen bzw. Babysitter suchen, fragen Sie in Ihrem Bekanntenkreis. Über offizielle Onlineplatt­formen, die sich auf Kinderbetreuung spezialisiert haben, können Sie ebenfalls fündig werden. Fragen Sie nach Vor­erfahrungen, Referenzen und einem erweiterten Führungs­zeugnis und vereinbaren Sie ein Kennenlernen.