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Mann und Maedchen machen ein Selfie von sich

Kinderfotos und -videos online teilen

Ein Geburtstag, ein Auftritt im Kindergarten oder ein Familienausflug sind besondere Momente, bei denen oft Fotos gemacht werden. Doch dabei sollte immer überlegt werden, welche Bilder online gestellt oder über einen Messenger versendet werden.

Warum ist das Thema so wichtig?

Alle Menschen haben ein Recht auf Wahrung der Persönlichkeitsrechte, Privatsphäre und Mitbestimmung. Kinder benötigen dafür einen besonderen Schutz. Deshalb sollten Eltern, Bezugspersonen, Freundinnen und Freunde der Familie vor dem Teilen von Fotos gut überlegen, ob ein Foto die Privatsphäre des Kindes wahrt.

Einmal veröffentlichte Fotos können sich schnell verbreiten und bleiben oft lange im Internet. Das kann dem Kind schaden. Z. B., wenn Bilder ungefragt weitergegeben oder für unangemessene Zwecke genutzt werden.

Welche Risiken gibt es?

Sobald ein Foto in einem sozialen Netzwerk, in einer App oder per Messenger verschickt wird, kann es gespeichert, weitergeleitet, bearbeitet und später in einem anderen Zusammenhang wieder veröffentlicht werden.

Ist ein Bild einmal im Internet, lässt es sich nicht mehr wirklich löschen. Das gilt auch, wenn eine Statusmeldung automatisch verschwindet, ein Beitrag oder sogar das ganze Profil gelöscht werden.

Zudem kann irgendjemand das Bild vorher gespeichert oder kopiert haben.

Fotos, die heute harmlos wirken – zum Beispiel ein Kind mit einem vom Eis verschmierten Mund – können später Probleme machen. Sie können Anlass für Mobbing in der Schule sein, für unerwünschte Bildbearbeitungen genutzt werden oder im schlimmsten Fall als Grundlage für sexualisierte Inhalte dienen.

Besonders problematisch sind Fotos, die Kinder in Unterwäsche, beim Baden, schlafend oder in verletzlichen Situationen zeigen (z. B. weinend, krank oder verletzt).

Solche Fotos sollten nicht geteilt werden, weil sie die Persönlichkeitsrechte des Kindes verletzen.

Werden Kinder von klein auf immer wieder fotografiert und ihre Bilder ins Netz gestellt, entsteht zudem eine lange digitale Spur. Später lassen sich daraus ganze Lebensläufe nachverfolgen.

Neue Gefahren durch die KI

Apps mit Künstlicher Intelligenz (KI) können viel Spaß machen. Man kann z. B. ein Foto animieren, das eigene Gesicht in ein Tier verwandeln oder sich in wenigen Sekunden älter aussehen lassen. Solche Effekte, die mit einer generativen KI erstellt werden, sind technisch beeindruckend, aber sie haben auch Risiken.

Generative KI kann eigenständig neue Inhalte wie Texte, Bilder oder Videos erzeugen. Damit die Systeme "lernen", wie Gesichter aussehen, werden sie mit großen Mengen an Fotos trainiert, teilweise aus dem Internet. Gelangen private Kinderfotos in solche Datensätze, können sie später als Basis für manipulierte oder missbräuchliche Inhalte dienen.

Mit sogenannten Deepfake‑ oder "Nudify"‑Verfahren lassen sich aus harmlosen Fotos sexualisierte oder entwürdigende Bilder erstellen, die sehr echt wirken. Da entsprechende Software immer leichter zugänglich ist, können solche Fälschungen schnell und oft anonym verbreitet werden.

Vorsicht bei Messenger und Cloud-Dienste

Ein Foto schnell per Messenger in die Familiengruppe schicken oder ein schönes Kinderfoto in den eigenen Status stellen – das wirkt privat und sicher. Das ist es aber nicht unbedingt. Beim Hochladen von Bildern geben Sie den meisten Plattformen – oft ohne es zu merken – die Erlaubnis, diese Fotos weiter zu nutzen. Die Anbieter dürfen die Bilder dann zum Beispiel verwenden, um ihre Dienste zu verbessern, ihre eigene KI zu trainieren oder um personalisierte Werbung anzuzeigen.

Auch Cloud-Dienste sind praktisch: Man kann viele Fotos speichern, wenn der Speicher auf dem Smartphone oder dem Laptop voll ist. Dabei werden die Bilder aber auf großen Servern (Datenspeichern) gespeichert. Kommt es zu einem Datenleck, können diese privaten Aufnahmen öffentlich werden.

Prüfen Sie deshalb regelmäßig die Datenschutzeinstellungen, Berechtigungen und die AGB der Apps sowie die Einstellungen auf Ihrem Gerät. Nach Updates können neue Zustimmungen hinzugekommen sein, die Sie eventuell manuell wieder ändern sollten.

Wie Sie vor dem Posten kurz abwägen können

Bevor Sie ein Foto teilen, können Sie sich diese Fragen stellen:

  • Würde mein Kind später zustimmen, wenn es das Bild sieht, bzw. stimmt es zu?
  • Könnte es sich für das Foto schämen?
  • Zeigt das Bild intime Details oder personenbezogene Daten (z. B. Straßenschilder, Namen)?
  • Sind andere Personen auf dem Foto, die nicht gefragt wurden?
  • Wer kann das Foto sehen und weiterverbreiten, wenn ich es über diese App oder diesen Messenger poste?

Praktische Tipps für den Alltag

Sie als Eltern dürfen Fotos Ihres Kindes veröffentlichen. Achen Sie aber darauf, dass das Wohl Ihres Kindes und seine Persönlichkeitsrechte nicht gefährdet werden. Hierzu können ein paar einfache Hinweise beachtet werden:

  • Teilen Sie Fotos lieber in geschützten, kleinen Gruppen oder persönlich, statt öffentlich. Stellen Sie Ihr Social‑Media‑Profil und auch Ihren Status im Messenger-Dienst auf privat, damit nicht jeder Zugriff hat.
  • Verzichten Sie auf das Posten oder Versenden von intimen Bildern (z. B. Nacktfotos, Badefotos, Schlafaufnahmen) oder von Bildern, die Ihr Kind in einer verletzlichen Situation zeigen. 
  • Zeigen Sie die Bilder vom Strandurlaub besser bei einem persönlichen Treffen direkt, anstatt sie zu versenden.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die gemachten Fotos und posten oder versenden Sie diese, wenn möglich, nur mit seiner Zustimmung. Ab etwa sieben Jahren sollten Kinder mitentscheiden dürfen, ab zehn bis zwölf Jahren ist ihre Zustimmung besonders wichtig.
  • Sprechen Sie auch mit der Familie, Freundinnen und Freunden und Bekannten, dass die von Ihnen verschickten Bilder nicht weiter geteilt werden dürfen.
  • Nutzen Sie nach Möglichkeit sichere Messengerdienste für die Weitergabe von Bildern.
  • Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Datenschutzeinstellungen der sozialen Netzwerke, Apps und auf Ihrem Gerät selbst. Beschränken Sie die Berechtigungen der Apps (z. B. Zugriff auf das Fotoarchiv, die Kontakte oder die Kamera).
  • Achten Sie darauf, dass in einem Foto oder in Ihrem Profil keine personenbezogenen Daten zu sehen sind (Adressen, Namen, Geburtsdaten …). Entfernen Sie die Metadaten (Ort/Datum) eines Bildes vor dem Hochladen. Das geht bei einigen Geräten direkt über die "Teilen"-Funktion des Smartphones oder auch direkt dauerhaft in den Einstellungen des Geräts.
  • Früher hat man Gesichter mit Stickern, Verpixeln oder Verwischen unkenntlich gemacht. Heute können viele KI‑Programme diese Veränderungen wieder rückgängig machen, sodass das Foto wieder erkennbar wird. Überlegen Sie daher, ob es nicht andere Bilder gibt, die Sie posten können, bei denen das Gesicht Ihres Kindes nicht zu sehen ist.
  • Sie können Fotos machen, auf denen Ihr Kind nicht direkt erkennbar ist, z. B. von hinten, nur Hände oder Füße.
  • Fotografieren oder filmen Sie Ihr Kind nicht ständig. Kinder genießen es, auch mal ungestört spielen zu können.
  • Sie selbst sind das wichtigste Vorbild für Ihr Kind. Ihr Kind lernt von Ihnen, wie man mit anderen umgeht. Behandeln Sie die Rechte anderer so, wie Sie es bei Ihrem Kind erwarten würden. Machen und teilen Sie keine Fotos von anderen ohne deren Erlaubnis.

Was tun, wenn etwas schiefgeht?

Wenn Sie mitbekommen, dass ein Bild Ihres Kindes unerwünscht veröffentlicht oder missbräuchlich verwendet wurde, sichern Sie Beweise (Profilnamen, Links, Chatverläufe, Zeitangaben) und melden Sie das Material bei der Plattform, auf der es erschienen ist. Nutzen Sie dafür die Funktionen "Melden/Report" oder "Inhalt entfernen".

Bei sexualisierter Verbreitung, Erpressung oder Missbrauch schalten Sie bitte sofort die Polizei ein.

Es gibt außerdem spezialisierte Beratungs‑ und Hilfsangebote, die Sie bei problematischen Inhalten im Netz unterstützen können. Informationen dazu finden Sie in unseren Linktipps.