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Fernsehen für die Kleinen

Beitrag aus:
Medienbrief 1
0-6 Jahre

In fast jeder Wohnung steht ein Fernseher oder ein großer Bildschirm, über den gestreamt werden kann. So lernen die meisten Kinder bereits im Babyalter die flimmernden Bilder kennen und reagieren neugierig darauf. Der Kasten liefert Geräusche, Musik und Bilder gleichzeitig. Doch was fangen die Kleinen damit an?

Foto: Zwei Paar Füße mit Wollsocken und ein Fernsehgerät im Hintergrund

Babys und Kleinkinder

Babys sind von Geburt an neugierig und erfahren ihre Umwelt vor allem durch aktives Ausprobieren und Nachahmen mit all ihren Sinnen. Dabei ist der Wechsel zwischen Spiel und Ruhe wichtig, denn während der Ruhephase verarbeitet das Gehirn alles neu Erlernte und speichert es ab.

Ab etwa einem halben Jahr interessieren sich Babys für die Gerä­usche und die Bilder aus dem Fernsehgerät. Sie robben oder krabbeln hin, ähnlich wie zu einem interessanten Spielzeug.

Babys haben allerdings nur eine sehr kurze Aufmerksamkeits­spanne. Sind sie im ersten Moment noch von der Kindersendung, die das größere Geschwisterchen ansieht, fasziniert, ist für sie im nächsten Moment schon wieder ein Spielzeugauto spannender.

Babys können auch gereizt reagieren, wenn ihnen die Geräusch­kulisse zu viel wird. Aus diesem Grund sollte Ihr Baby oder junges Kleinkind noch nicht fernsehen, schon gar nicht allein. Auch sollten Fernseher oder Tablet keine ablenkende Bilderkulisse bei den Mahlzeiten sein.

Sobald Kleinkinder zu sprechen beginnen, können sie kurze Stücke im Fernsehen verstehen und verfolgen. Die Aufmerksamkeits­spanne steigt.

Vorschulkinder

Vorschulkinder erkennen ihre Lieblingsfiguren im Fernseher wieder und sprechen mit ihnen, denn sie können noch nicht zwischen der medialen Fantasiewelt und unserer echten Welt unterscheiden. Inhaltlich nehmen Kinder vor allem das aus einer Sendung mit, was ihnen aus dem eigenen Alltag bekannt ist. Ein spannendes Entwicklungsthema ist das Groß-Werden. Zudem sind Tiere, außergewöhnliche Heldinnen und Helden, das Aktiv-und-Krea­tiv-Sein sowie das Thema Freundschaft für diese Altersgruppe interessant. Kinder sind wissbegierig und wollen lernen. Das Angebot an Sendungen, die lehrreiche Inhalte pädagogisch und in leicht verständlicher Sprache aufbereiten, ist groß. Bei der Programmauswahl sollten Sie immer die individuelle Entwicklung Ihres Kindes und seine Interessen berücksichtigen.

Illustration mit Baby Michi, Kind Katharin und Kind Leo, die vor dem Fernseher sitzen

Flinke Finger auf der Fernbedienung

Meine kleinen Neffen und meine Nichte sind auf unterschiedliche Weise vom Fernsehen fasziniert. Der 4-jährige Leo darf schon mal eine Folge seiner Lieblings-Zeichentrickserie anschauen, während Mama danebensitzt und liest. Wenn es was zu erklären gibt oder Kuschelbedarf besteht, ist sie da. Seine Schwester Katharina sitzt manchmal auch dabei, bis es ihr zu langweilig wird und sie lieber wieder mit ihrem Stofftiger spielt. Baby Michi krabbelt indes aus seiner Spielecke in Richtung der Geräusche, klaut sich die Fern­bedienung, drückt und lutscht darauf herum. Oh, nun hat er das Programm gewechselt und freut sich, dass er mit seinen kleinen Fingern so etwas Großes bewirken konnte. Doch nun läuft statt der Kindersendung ein Tennisturnier und Leo wird richtig sauer auf seinen kleinen Bruder. Da muss Mama Anne wieder umschalten und den Streit schlichten. Sie erklärt Leo, dass Michi noch gar nicht weiß, was er da macht, sondern einfach nur spielt. Nach der Sendung malen Leo und Katharina etwas. Leo malt seine Lieblings­figur und erzählt allen, wie toll die Folge war.

Einfache Fernsehregeln für Fernsehanfängerinnen und -anfänger

  • Diese Regeln gelten unabhängig davon, ob sie eine Fernsehsendung wählen oder einen kindgerechten Stream starten.
  • Gezielte Programmauswahl: Suchen Sie Sendungen aus, die eine leicht verständliche Geschichte erzählen, mit wenigen unterschiedlichen Figuren auskommen, nicht zu lang dauern (15 Minuten), nicht zu hektisch oder zu spannend sind, einen positiven Ausgang finden.
  • Gemeinsam fernsehen: Schauen Sie neue Sendungen gemein¬sam und beobachten Sie Ihr Kind genau: Schaut es häufiger weg oder rückt es näher an Sie heran? Dann ist das Programm vielleicht noch etwas zu spannend. Ängstigend kann für ein Kleinkind schon sein, wenn sich in der Sendung eine Mutter von ihrem Kind verabschiedet und kurz das Haus verlässt.
  • Die Fernbedienung gehört nicht in Kinderhände: Sie als Eltern suchen das Programm gezielt aus. Zeit begrenzen: 30 Minuten am Tag vor dem Bildschirm (oder einem anderen Gerät) sind genug. Kinder werden sonst sehr schnell überreizt.
  • Bewusst verarbeiten: Sprechen Sie mit Ihrem Kind während der Sendung über das Gesehene und ordnen Sie es ein. Kinder reagieren sehr gefühlsgeleitet und können sich noch nicht, wie wir Erwachsene, von etwas für sie Traurigem oder Ängstigendem abgrenzen.
  • Werbefreie Angebote nutzen: Kleinkinder können noch nicht zwischen einer Fernsehsendung und einem Werbespot unterscheiden.
  • Auf Ausgleich achten: Stellen Sie von Beginn an sicher, dass es neben den Medien noch viele andere Dinge gibt, die Spaß machen: Spielen, Basteln, Vorlesen oder Freundinnen und Freunde besuchen.
  • Selbst Vorbild sein: Lassen Sie Ihren eigenen Tagesablauf nicht vom Fernsehgerät bestimmen. Beim Essen oder Spielen sollten Fernseher und Tablet/Smartphone ausbleiben, ebenso kurz vor dem Schlafengehen der Kinder.

Fernseheindrücke können gut spielerisch verarbeitet werden. Damit dafür oder auch für Fragen Zeit bleibt, besser nicht direkt vorm Schlafengehen fernsehen.

Werbefreie Streaming-Angebote für Kinder

Werbefreie und zu jeder Zeit verfügbare Angebote für die Kleins­ten finden Sie auf den Kinder-Mediatheken der öffentlich-recht­lichen und der privaten Sender oder über die bezahlpflichtigen Streamingdienste. Hier lassen sich eigene Profile für Kinder anle­gen, über die ausschließlich kind- und altersgerechte Sendungen ausgespielt werden.

z. B. KiKA, Check Eins, toggo oder ZDFtivi