Fast kein Chat kommt ohne Kettenbriefe aus. Dies sind Nachrichten, die oft ohne weitere Kommentare wahllos an viele Personen aus dem Adressbuch weitergeleitet werden. Sie enthalten die Aufforderung, den Text nach dem Lesen noch weiter zu verbreiten. Meistens sind es schöne Texte für die besten Freundinnen und Freunde, manchmal wird es jedoch auch gruselig. Da müssen die Eltern aufpassen und immer als Ansprechperson bereitstehen.
Es ist für Erwachsene wie auch für Kinder wichtig, zwischen Spaßnachrichten und ernsteren Inhalten wie Morddrohungen, Einschüchterungen oder Betrug zu unterscheiden. Selbst manche Erwachsene schicken Kettenbriefe ungeprüft weiter. Ihnen erscheint der Inhalt, z. B. eine Warnung oder ein technischer Hinweis, wichtig für alle Kontakte.
Meistens tauchen Kettenbriefe in Wellen auf, insbesondere zu Schulbeginn. Irgendwann läuft der eine Kettenbrief aus und der nächste erscheint. Viele Kettenbriefe sind deshalb schon recht alt und wurden früher schon einmal über einen anderen Kanal verschickt.
Vielleicht hilft es auch, wenn Sie Ihrem Kind eine Anekdote aus Ihrer Vergangenheit erzählen? Denn wir alle haben wahrscheinlich früher mal einen Kettenbrief (über welchen Kanal auch immer) bekommen. Und uns ist kein Unglück widerfahren, als wir ihn ignoriert haben.
Meine Nachbarin, die 9-jährige Sara, ist nun stolze Besitzerin eines eigenen Smartphone. Sie bekommt von ihrer besten Freundin einen Kettenbrief weitergeleitet. Die beiden schreiben sich viele Nachrichten, aber so eine wie diese hier ist neu für Sara. Der Text lautet: „Ich bin Ursula. Ich wurde mit 13 Jahren von einem Verrückten nachts in meinem Zimmer umgebracht. Nun spuke ich herum. Wenn du nicht willst, dass ich heute Nacht in deinem Zimmer erscheine und dir ein Messer in den Kopf ramme oder deine Eltern töte, dann musst du diese Nachricht an zehn Leute weiterleiten.“ Nach der Textnachricht ploppt auch noch ein Bild auf. Es zeigt das Gesicht eines toten Mädchens, ganz bleich mit zerzausten Haaren, wie aus einem Horrorfilm.
Sara hat große Angst und ruft mich an. Ich bitte sie, mir die Nachricht weiterzuleiten und bin ehrlich gesagt ziemlich empört, dass so etwas an Grundschülerinnen und Grundschüler geschickt wird. Ich erkläre Sara, dass das alles nur ein dummer Spaß ist. Sie soll sich keine Sorgen machen, sondern die Nachricht löschen und auf keinen Fall weiterleiten. Ich spreche auch mit ihrer Mutter Aylin darüber und bitte Sie, noch genauer aufzupassen, welche Nachrichten Sara bekommt.
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