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Kettenbriefe

Beitrag aus:
Medienbrief 2
7-11 Jahre

Fast kein Chat kommt ohne Kettenbriefe aus. Dies sind Nachrichten, die oft ohne weitere Kommentare wahllos an viele Personen aus dem Adress­buch weitergeleitet werden. Sie enthalten die Aufforderung, den Text nach dem Lesen noch weiter zu verbreiten. Meistens sind es schöne Texte für die besten Freundinnen und Freunde, manchmal wird es jedoch auch gruselig. Da müssen die Eltern aufpassen und immer als Ansprechperson bereitstehen.

Eine Gruppe von 6 Kindern, die alle in ihr Smartphone schauen

Es ist für Erwachsene wie auch für Kinder wichtig, zwischen Spaßnachrichten und ernsteren Inhalten wie Morddrohungen, Einschüchterungen oder Betrug zu unterscheiden. Selbst manche Erwachsene schicken Kettenbriefe ungeprüft weiter. Ihnen erscheint der Inhalt, z. B. eine Warnung oder ein technischer Hin­weis, wichtig für alle Kontakte.

Meistens tauchen Kettenbriefe in Wellen auf, insbesondere zu Schulbeginn. Irgendwann läuft der eine Kettenbrief aus und der nächste erscheint. Viele Kettenbriefe sind deshalb schon recht alt und wurden früher schon einmal über einen anderen Kanal verschickt.

Der beste Umgang mit Kettenbriefen

  • Darüber reden: Erklären Sie Ihrem Kind, was ein Kettenbrief ist. Kindern ist oft nicht bewusst, dass die darin beschriebenen Horrorszenarien nicht echt sind. Finden Sie heraus, welche Kettenbriefe gerade im Umlauf sind.
  • Aufklären: Machen Sie Ihrem Kind immer wieder klar, dass nichts Schlim¬mes passiert, wenn man einen Kettenbrief nicht weiterleitet. So wird es nach und nach sicherer im Umgang mit den Briefen und auch verstehen, dass die in Kettenbriefen angedrohten Gefahren nicht real sind.
  • Ängste ernst nehmen: Nehmen Sie die Ängste Ihres Kindes ernst! Wenn ein Kind Angst bekommt, dass es selbst oder seine Eltern sterben könnten, weil eine Nachricht nicht geteilt wird, dann mag das für uns Erwachsene absurd klingeln. Für Ihr Kind jedoch ist diese Vorstellung richtig beängsti¬gend! Nicht immer ist es leicht, diese irrationalen Ängste mit vernünftigen Argumenten aus der Welt zu schaffen.
  • Regeln festlegen: Besprechen Sie mit Ihrem Kind, welche Kettenbriefe weitergeschickt werden können – und welche nicht. Es gibt ja auch nette Kettenbriefe.

Vielleicht hilft es auch, wenn Sie Ihrem Kind eine Anekdote aus Ihrer Vergangen­heit erzählen? Denn wir alle haben wahr­scheinlich früher mal einen Kettenbrief (über welchen Kanal auch immer) bekom­men. Und uns ist kein Unglück widerfah­ren, als wir ihn ignoriert haben.

Illustration aus Medienbrief 2. Aylin spricht mit Sahra über einen Kettenbrief, den  Aylin auf dem Handy erhalten hat.

Nachricht von der toten Ursula

Meine Nachbarin, die 9-jährige Sara, ist nun stolze Besitzerin eines eigenen Smartphone. Sie bekommt von ihrer besten Freundin einen Kettenbrief weitergeleitet. Die beiden schreiben sich viele Nachrichten, aber so eine wie diese hier ist neu für Sara. Der Text lautet: „Ich bin Ursula. Ich wurde mit 13 Jahren von einem Verrück­ten nachts in meinem Zimmer umgebracht. Nun spuke ich herum. Wenn du nicht willst, dass ich heute Nacht in deinem Zimmer erscheine und dir ein Messer in den Kopf ramme oder deine Eltern töte, dann musst du diese Nachricht an zehn Leute weiterleiten.“ Nach der Textnachricht ploppt auch noch ein Bild auf. Es zeigt das Gesicht eines toten Mädchens, ganz bleich mit zerzausten Haaren, wie aus einem Horrorfilm.

Sara hat große Angst und ruft mich an. Ich bitte sie, mir die Nach­richt weiterzuleiten und bin ehrlich gesagt ziemlich empört, dass so etwas an Grundschülerinnen und Grundschüler geschickt wird. Ich erkläre Sara, dass das alles nur ein dummer Spaß ist. Sie soll sich keine Sorgen machen, sondern die Nachricht löschen und auf keinen Fall weiterleiten. Ich spreche auch mit ihrer Mutter Aylin dar­über und bitte Sie, noch genauer aufzupassen, welche Nachrichten Sara bekommt.