Hauptinhalt

Der Charakter eines Kindes

Beitrag aus:
Elternbrief 16
4,5–5 Jahre

Egal, wie Sie Ihr Kind zu Hause erleben, es kann sein, dass es sich in einer Gruppe von Kindern ganz anders verhält, als Sie es gewohnt sind. Der Kindergarten oder auch die nachmittägliche Sportstunde im Verein geben einem Kind die Möglichkeit, auch andere Rollen im täglichen Mitein­ander auszuprobieren und daraus zu lernen.

Ein Junge sitzt in der Hocke und hält zwei große Legosteine vor seine Augen und schaut durch diese durch.

Gerade wenn ein Kind neu in der Gruppe ist, muss es sich erst an den anderen Kindern orientieren. Später hat es dann vielleicht seinen eigenen Freundeskreis. Es kann sich zur Anführerin oder zum Anführer entwickeln oder eher Vermittlereigenschaften an den Tag legen. Vielleicht bringt es andere auch gern zum Lachen.

Im Kindergarten werden Sie vieles über Ihr Kind erfah­ren, was Ihnen vielleicht neu ist. Vielleicht ist Ihr ansons­ten ruhiges Kind im Kindergarten sehr quirlig. Vielleicht ist es aber auch gerade umgekehrt und Ihr aktives Kind nimmt sich in der Gruppe eher zurück und gilt dort so­gar als schüchtern.

Besonders Kinder, die mit Geschwistern aufwachsen, können in einer Gruppe von Gleichaltrigen Charakterzüge zeigen, für die zu Hause wenig Raum ist.

Verschiedene Charaktereigenschaften

Die hier vorgestellten Eigenschaften sind natürlich keine „Reinformen“. Ein Kind kann selbstbewusst sein und auch albern. Oder je nach Tagesform an einem Tag eher anhänglich und vorsichtig, am nächsten Tag recht wild und lustig.

Frische Luft und Bewegung helfen beim Entspannen.

Das alberne Kind

Manche Kinder verhalten sich wie kleine Clowns und versuchen, immer im Mittelpunkt zu stehen. Sie machen Witze, bringen andere durch ihr Verhalten gerne zum Lachen und können oftmals nur sehr schwer ernst bleiben.

Manchmal werden Kinder auch albern, wenn sie sich lang­weilen oder überdreht sind, z. B. durch Reizüberflutung oder Übermüdung. Dann sind sie schwer zu bändigen und brauchen eigentlich eine Möglichkeit, um überschüssige Energie loszuwerden oder um neue Energie zu tanken.

Das selbstbewusste Kind

Selbstbewusste Kinder fallen meist schneller auf als schüchterne Kinder. Sie wirken auf den ersten Blick muti­ger, probieren gerne neue Sachen aus und übernehmen gerne Aufgaben. Sie fordern eher etwas für sich selbst ein und kennen oftmals ihre eigenen Bedürfnisse. Sie wissen in vielen Situationen, was sie mögen und was nicht, was sie wollen oder brauchen. Selbstbewusstsein lässt sich ein Stück weit trainieren und stärken.

Das schüchterne Kind

Schüchterne Kinder sind außerhalb ihrer vertrauten Umgebung oft sehr unsicher. Es fällt ihnen vielleicht schwer, vor anderen zu sprechen. Schüchterne Kindern vermeiden es oftmals, mit anderen Kindern oder Er­wachsenen Kontakt aufzunehmen. Bei Konflikten ziehen sie sich eher zurück.

Wie kann ich mein schüchternes Kind unterstützen?

  • Setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck – das könnte es verunsichern. Lassen Sie es sein eigenes Tempo finden.
  • Loben Sie Ihr Kind für die Dinge, die es gut macht. Wenn es an sich zweifelt, erinnern Sie es an seine Stärken und an Situationen, die es gemeistert hat.
  • Rollenspiele wie „Einkaufen“ oder „Essen gehen“ helfen, Alltagssituationen spielerisch zu üben.
  • Stellen Sie Ihrem Kind Fragen und interessieren Sie sich dafür, was es zu sagen hat. Beziehen Sie es in Gespräche mit ein und motivie­ren Sie es, seine Meinung frei zu äußern.
  • Machen Sie mit Ihrem Kind auch ruhig einmal wilde Spiele wie Kissenschlachten oder Um-die-Wette-Schreien. In der Familie fühlt es sich sicherer als außerhalb und kann sich angstfrei ausprobieren.
  • Geben Sie Ihrem Kind Aufgaben, die sein Selbstbewusstsein stärken. Ermutigen Sie es, Dinge zu tun, bei denen es seine Schüchternheit ein wenig überwinden muss, z. B. in der Eisdiele selbst die Kugel Eis bestellen und danach bezahlen.
  • Sprechen Sie vor Ihrem Kind nicht mit anderen Menschen über seine Schüchternheit. Das beschämt Ihr Kind und schadet seinem Selbstwertgefühl.
  • Wenn Ihr Kind sehr unter seiner Schüchternheit leidet oder wenn Sie selbst anfangen, deshalb ungeduldig zu reagieren, suchen Sie sich Rat und Unterstützung bei einem Familienstützpunkt oder einer Erziehungsberatungsstelle.

Schüchterne Kinder sind manchmal lärmempfindlich und haben darum auch wenig Freude an lauten oder wilden Spielen. Manche stehen lieber abseits, um das Geschehe­ne um sie herum aus sicherer Entfernung beobachten zu können. Sie haben meist weniger Freundschaften, dafür sind diese dann aber sehr eng und verlässlich.

Das aggressive Kind

Ein Kind, das sich aggressiv verhält, kann zum einen körperlich aggressiv sein, indem es schubst, haut oder beißt oder anderen Kindern häufig etwas wegnimmt. Manche Kinder richten ihre Aggression auch gegen sich selbst. Es kann aber auch schreien oder fluchen und andere beleidigen.

Wie kann ich meinem Kind helfen, mit seiner Wut umzugehen?

  • Wenn Ihr Kind gerade sehr wütend ist, helfen Sie ihm dabei, seine Gefühle zu benennen. „Ich sehe, dass du gerade sehr wütend bist. Du darfst wütend sein, aber du darfst nieman­dem wehtun!“
  • Klar erkennbare Regeln und Grenzen sind wichtig. Erklären Sie Ihrem Kind, warum es andere Menschen nicht hauen oder Gegenstände nicht werfen darf.
  • Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, wie es seine Wut loswerden kann, ohne anderen Menschen wehzutun. Es kann z. B. stattdessen auf ein Kissen schlagen oder versuchen, tief ein- und auszuatmen.
  • Das können Sie mit Ihrem Kind am besten in einer ruhi­gen und entspannten Situation mit einem kleinen Rollen­spiel üben.
  • Loben Sie Ihr Kind, wenn es ein anderes Ventil für seine Wut findet.
  • Sie selbst sind dabei ein sehr großes Vorbild. An Ihnen sieht und lernt Ihr Kind, wie Sie selbst mit Wut und Frus­tration umgehen.
  • Wenn Sie nicht mehr weiterwissen, können Sie sich z. B. an einen Familienstützpunkt oder eine Erziehungsbera­tungsstelle wenden. Dort kann man Ihnen weitere Rat­schläge geben.