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Widerstandsfähigkeit entwickeln

Beitrag aus:
Elternbrief 15
4-4,5 Jahre

 „Resilienz“ bedeutet Widerstandsfähigkeit. Darunter ver­steht man die Anpassungsfähigkeit, mit unterschiedlichen schwierigen Situationen umzugehen. Dass man stark blei­ben kann, auch wenn es mal schwierig, stressig, beunruhi­gend oder auch furchteinflößend wird. Sie können Ihrem Kind dabei helfen, seinen Selbstschutz zu stärken und ihm die Fähigkeit vermitteln, gut mit Herausforderungen oder Stress umzugehen.

Ein kleines Mädchen mit langen blonden Haaren lächelt in die Kamera

Eine verlässliche Beziehung zu den Eltern ist sehr wich­tig, um als Kind seine Resilienz zu entwickeln. Diese kann gefestigt werden, wenn Sie Ihrem Kind immer wieder versichern, dass es gut und wertvoll und wichtig ist, so wie es ist.

Ermutigen Sie Ihr Kind, aus seinen Fehlern zu lernen, anstatt sich von ihnen entmutigen zu lassen.

Stärken und Schwächen akzeptieren

Kinder sollten wissen, dass nicht nur ihre Stärken, sondern auch die Schwächen akzeptiert werden. Dass Fehler dazu­gehören. So unterstützen Sie Ihr Kind:

  • Helfen Sie Ihrem Kind dabei, Probleme selbst zu lösen. Spielen Sie z. B. Spiele mit Ihrem Kind, bei denen es selbst nachdenken und selbst Lösungen finden muss.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, seine Gefühle zu verstehen und auch sprachlich auszudrücken. So kann es lernen, auch besser mit schwierigen Gefühlen umzugehen.
  • Ermutigen Sie Ihr Kind dazu, neue Dinge auszuprobie­ren und dabei zu merken, dass es etwas gut kann. Das stärkt das Selbstvertrauen Ihres Kindes.
  • Versuchen Sie, mit Ihrem Kind einfache Techniken zu üben, mit denen es sich selbst beruhigen kann. Tiefes Ein- und Ausatmen kann z. B. dabei helfen, wieder etwas ruhiger zu werden, wenn man sich gerade aufgeregt hat.
  • Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, Freundschaf­ten zu pflegen. Gute Freundinnen und Freunde geben Ihrem Kind Sicherheit und Stärke.

Nein sagen

Kinder sollten lernen, dass sie manche Dinge auch selbst entscheiden können. Dass sie Nein sagen dürfen, wenn sie sich unwohl fühlen. Und natürlich müssen sie auch ein Nein von anderen Kindern, z. B. im zu wilden Spiel, akzep­tieren. Solche Situationen können Sie daheim in Rollen­spielen üben. Und erklären Sie Ihrem Kind, dass andere Kinder oder Erwachsene nicht immer recht haben. Und dass nicht jede erwachsene Person dem Kind sagen darf, was es tun soll.

Desto älter und selbstständiger Ihr Kind wird, umso wichtiger wird es, dass das Kind lernt, was für es selbst in Ordnung ist und was nicht. Denn je älter es wird, umso häufiger wird es alleine, ohne Sie als Eltern, etwas erle­ben. Sei es im Kindergarten, beim Spielbesuch bei ande­ren Familien oder in Kursen für Kinder.

Selbstbestimmung

Erklären Sie Ihrem Kind, dass sein Körper ihm gehört und dass es sich von niemandem anfassen lassen muss, wenn ihm das nicht gefällt. Das gilt natürlich auch innerhalb der Familie. Das Küsschen oder die Umarmung für Verwand­te sollen freiwillig bleiben. Ihr Kind muss auch nicht bei anderen auf dem Schoß sitzen, wenn es das nicht möchte.

Wichtig ist es, Kinder zu stärken und ihr Selbstbewusst­sein zu fördern. Selbstbewusste Kinder haben eher den Mut, Nein zu sagen, und können sich leichter gegenüber Annäherungen, die sie nicht möchten, abgrenzen.

Ein Mann trägt ein kleines Mädchen auf dem Arm

Vertrauen

Ihr Kind sollte wissen, dass es Ihnen alles anvertrauen kann. Erklären Sie ihm altersangemessen den Unter­schied zwischen guten und schlechten Geheimnissen. Geheimnisse können toll sein und dabei helfen, sich von Eltern abzugrenzen, sich mit der besten Freundin oder dem besten Freund zu verbünden und einen Sinn für die eigene Identität zu entwickeln.

Gute Geheimnisse fühlen sich schön, lustig und gut an. Z. B. wenn Ihr Kind Ihnen nicht verrät, was es Ihnen zum Geburtstag gebastelt hat.

Ein schlechtes Geheimnis ist eines, das bedrohlich oder gefährlich ist. Schlechte Geheimnisse können sich z. B. wie Bauchweh anfühlen.

Ihr Kind sollte wissen, dass es in Ordnung ist, gute Ge­heimnisse für sich zu behalten, aber dass es jederzeit über schlechte Geheimnisse sprechen darf und dass ihm dann geholfen wird.

Informieren

Machen Sie Ihrem Kind keine Angst, aber informieren Sie es. Helfen Sie ihm, Situationen zu erkennen, in denen es sich unwohl oder bedrängt fühlt. Hier gibt es viele gute Kinderbücher, die Kinder stärken und ihnen behutsam schwierige Situationen aufzeigen.

Erklären Sie ihm, dass Erwachsene, aber auch Jugend­liche und Kinder manchmal Grenzen überschreiten und einen berühren oder kitzeln, obwohl man es nicht möchte. Auch an Körperteilen, an denen man es nicht möchte. Ermutigen Sie Ihr Kind, in solchen Situationen laut und deutlich „Nein!“ oder „Stopp!“ zu sagen, sich zu entziehen und sich den Eltern oder anderen vertrauten Bezugspersonen anzuvertrauen.

Ein Junge sitzt mit einem Teddy im Arm auf einem Stuhl und schaut zum Fenster hinaus.

Glauben schenken

Wenn Ihr Kind Ihnen tatsächlich etwas anvertraut, das in die Richtung eines Übergriffes gehen könnte, nehmen Sie es ernst. Spielen Sie nichts herunter. Versuchen Sie, der Sache nachzugehen und eine Aufklärung zu erreichen. Hören Sie Ihrem Kind gut zu und fragen Sie einfühlsam nach. Wenn sich der Verdacht verstärkt, zwingen Sie es nicht, mit der betreffenden Person wieder Kontakt zu haben. Schützen Sie es vor weiteren Begegnungen.

Hilfe holen

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind Gewalt ausge­setzt ist oder war, wenden Sie sich an das für Sie zuständi­ge Jugendamt oder an einen Familienstützpunkt. Die Fach­kräfte dort wissen am besten, wie Ihrem Kind geholfen werden kann und was es jetzt braucht. Sie können Sie in solch einer schwierigen Situation beraten und unterstützen.