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Vorlesen

Beitrag aus:
Elternbrief 15
4-4,5 Jahre

Die meisten Kinder lieben es, Geschichten vorgelesen zu bekommen. Beim Vorlesen tauchen sie gedanklich in neue Welten ein und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Vorlesen fördert spielerisch den Erwerb neuer Wörter. Denn beim Zuhören, beim Nachfragen und im Gespräch darüber wer­den neue Wörter gelernt.

Foto: Vater sitzt mit seinen zwei kleinen Kindern am Fußboden, umarmt die Kinder und liest ein Buch vor

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Geschichte: Was hat ihm gefallen? Wen mochte es am liebsten? Wen mochte es gar nicht? So werden auch das Gedächtnis, die Konzentra­tionsfähigkeit, das Mitdenken, das Zurückdenken und das Vorausdenken geschult.

Am schönsten liest es sich in einer entspannten und kuscheligen Atmosphäre. Nähe und Geborgenheit sind beim Vorlesen wichtig. Kinder können sich so besser auf die Geschichte einlassen und das Gehörte verarbeiten und verinnerlichen. Dieses gemütliche Beisammensitzen, das Kuscheln auf der Couch oder im Bett vor dem Ein­schlafen, kann dabei helfen, wieder zur Ruhe zu kommen und die Aufgeregtheit des Tages abzulegen.

Die Geschichten werden umfangreicher

Gehen Sie beim Vorlesen bei der Bücherauswahl auf die Interessen Ihres Kindes ein. Sie können mit Ihrem Kind überlegen, welche Themen es gerade spannend findet, über was es gerne mehr erfahren möchte.

Manchmal ist die Wissensvermittlung interessant. Ihr Kind will z. B. etwas über das Wetter, über Ponys, über den eigenen Körper oder über die Antarktis erfahren. Kind­gerecht mit vielen Bildern werden solche Themen gut in verschiedenen Büchern erklärt.

An anderen Tagen oder auch vor dem Einschlafen kann das Bedürfnis nach entspannender Unterhaltung größer sein. Welche Figuren oder Handlungen findet Ihr Kind besonders toll? Hat es vielleicht bereits Lieblingsfiguren, die es aus einem Hörspiel oder einer Serie kennt? Oftmals gibt es dazu auch Bücher zum Vorlesen. Hier kann Ihr Kind gedanklich an etwas bereits Bekanntes anknüpfen.

Die Bücher, die Ihr Kind inter­essieren, haben nun immer länge­re und umfang­reichere Texte.

Es gibt zudem eine große Auswahl an Büchern, die bei der Bewältigung starker und großer Gefühle helfen können. Also Bücher, die Themen behandeln, die das Kind gerade selbst beschäftigen. Wenn z. B. ein Geschwisterchen auf dem Weg ist, wenn ein Großelternteil eine schwere Krank­heit hat, wenn die beste Freundin wegzieht oder wenn Ihr Kind vom großen Bett ins eigene Bett „umzieht“.

Bücher können das Tor zur abwechslungsreichen Welt ab­bilden. In den Büchern sehen die Kinder, wie andere Län­der, andere Kinder, verschiedene Berufe usw. sein können. Die Vielfalt, über das eigene Umfeld hinaus, wird sichtbar.

Märchen

Märchen sind alte, über Generationen übertragene Ge­schichten mit teils übernatürlichen Figuren. Es gibt die traditionellen Hausmärchen der Brüder Grimm wie „Hän­sel und Gretel“, „Die Bremer Stadtmusikanten“, „Der gestiefelte Kater“ oder „Rotkäppchen“. Daneben gibt es einen unendlichen Schatz an Märchen und Erzählungen aus allen Kulturkreisen der Welt.

Gut und Böse liegen im Märchen meist sehr weit ausein­ander. Das macht es Kindern leichter, sich zu orientieren. Sie identifizieren sich mit den „Guten“ und freuen sich über deren Rettung. Und da die „Bösen“ so durch und durch gemein sind, muss man auch kein Mitleid mit ihnen haben. Meistens handeln Märchen vom sicheren Sieg des Guten über das Böse, denn trotz aller Schwierigkeiten wird im Märchen am Ende alles gut.

Aber jedes Kind ist anders und es kann sein, dass Ihr Kind Märchen überhaupt nicht mag. Dass es die Geschichten zu sehr gruseln und deshalb belasten. Die Erzählungen sind ja oft sehr brutal. Nicht jedes Kind möchte damit in Berührung kommen.

Lassen Sie sich z. B. in Büchereien oder Buchhandlungen dazu beraten, welche Bücher für Kinder gut geeignet sind. Oder Sie versuchen es mit den etwas harmloseren Märchen oder probieren es in einem Jahr noch einmal.