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Flunkern, schwindeln und lügen

Beitrag aus:
Elternbrief 15
4-4,5 Jahre

Mit 4 Jahren können Kinder noch nicht immer zuverläs­sig zwischen der Wirklichkeit und ihrer Fantasie unter­scheiden. Deshalb wird meist auch weniger von „Lügen“ gesprochen, sondern vielmehr von „Flunkern“ oder „Schwindeln“. Oftmals erzählen Kinder Geschichten und vermischen dabei das real Erlebte mit erfundenen Situa­tionen und übertreiben dabei gern.

Ein Junge sitzt, verkleidet als Ritter, auf einem Schaukelstuhl

Manche Kinder erzählen wilde Geschichten, um die Auf­merksamkeit der anderen auf sich zu lenken. Vielleicht erzählt Ihr Kind im Kindergarten, dass es zu Weihnach­ten ein Pony geschenkt bekommen hat oder dass es am Wochenende auf den Mond geflogen ist. Vielleicht hat es wenig Selbstbewusstsein und sucht auf diesem Weg An­erkennung und Aufmerksamkeit von anderen.

In diesem Fall können Sie versuchen, das Selbstwertge­fühl Ihres Kindes auf andere Art und Weise zu stärken. Falls Ihr Kind etwas besonders gerne macht oder auch besonders gut kann, versuchen Sie, es darin zu bestärken.

Manchmal erfinden Kinder auch etwas, weil sie z. B. Angst haben, ausgeschimpft oder bestraft zu werden. Sollte dies der Grund für eine Lüge sein, dann erklären Sie Ihrem Kind, dass Fehler und Missgeschicke jedem passieren können. Ihnen selbst und anderen Erwachsenen natürlich auch. Ermutigen Sie es, immer die Wahrheit zu sagen.

Lügen als Teil der Entwicklung

Lügen zu lernen, ist ein Teil der geistigen Entwicklung von Kin­dern. Um lügen zu können, muss ein Kind erst lernen, zu verste­hen, dass Menschen oft unter­schiedlich viel wissen. Kinder beginnen zu begreifen, dass sie alleine manchmal etwas wissen oder fühlen, was andere nicht wissen können.

So denkt sich Ihr Kind, das nicht gerne Zähne putzt, vielleicht: „Die Oma kann nicht wissen, ob ich schon Zähne geputzt habe, weil sie gerade nicht mit mir im Bad ist. Also sag’ ich einfach, ich hab’ schon geputzt, obwohl es nicht stimmt.“

Lügen erfordert eine schnelle Ent­scheidungsfindung und Kreativität, um eine überzeugende Antwort auf eine Frage zu finden. Als Eltern und Bezugsperson ist es wichtig, auf diese Lügen angemessen zu reagieren, um den Kindern zu hel­fen, Ehrlichkeit zu lernen und auch Verantwortung zu übernehmen. Also dem Kind die Möglichkeit zu geben, seine Fehler ohne Angst vor Strafe zugeben zu können.

Lügen ist etwas, was man erst lernen muss. Das gehört zur Entwicklung dazu.