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Die Zeit der Spiele

Beitrag aus:
Elternbrief 12
2,5-3 Jahre

Mit 3 Jahren haben die meisten Kinder einen ausgepräg­ten Spiel- und Bewegungsdrang. Sie klettern beim Spa­ziergang auf kleine Mäuerchen, kicken Tannenzapfen wie einen Fußball oder hüpfen in Pfützen. Auch daheim wird alles zum Spielen genutzt. Kinder entdecken und verste­hen ihre Umwelt spielerisch.

Ein Mädchen hält sich beide Hände vor die Augen und spiel verstecken.

Spielen heißt Lernen

Im Spiel machen sich Kinder mit unbekannten Dingen, Menschen, Ereignissen vertraut. Dabei nutzen sie alle Sinne: Sie sehen, hören, riechen, schmecken und tasten. Durch das Ausprobieren entstehen Erfahrungen. Diese Erfahrungen werden mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft und auf andere Situationen übertragen. So lernen Kinder, die Bedeutung von Menschen, Dingen und Ereignissen kennen.

Die Neugierde treibt Ihr Kind an. Im Kontakt mit Ihnen und seiner Umwelt wird diese immer wieder angestachelt und aufrechterhalten.

Spielen ist also nicht bloßer Zeitvertreib. Spielen beinhal­tet Lernen, das Erproben verschiedener Rollen, das Ver­ständnis neuer Dinge. Kinder, die viel und intensiv spie­len, erwerben dadurch Fähigkeiten und Fertigkeiten, die für ein selbstständiges und selbstverantwortliches Leben wichtig sind.

Kinder werden am besten gefördert, wenn ihnen genügend Zeit und Raum zum Spielen gegeben werden.

Spielen unterstützt die Lernfreude und auch die Lernmo­tivation. Beim Spielen können sich Kinder Erfolgserleb­nisse holen. Aber auch den Umgang mit Frustration üben, wenn die Dinge nicht so klappen, wie sie sich das vorstel­len. Oder wenn sie mal verlieren.

Im Spiel lernen sie zudem Ausdauer und Konzentration. Auch das soziale Lernen wird gefördert, also der Umgang mit anderen Kindern.

Aber nicht jedes Spiel muss einem höheren Zweck die­nen. Kinder brauchen auch Freiräume und genau diese können sie im freien Spiel erfahren.

Platz zum Spielen

Ihr Kind wird sich immer noch gerne in Ihrer Nähe aufhal­ten. Darum ist es schön, wenn Sie es Ihrem Kind ermög­lichen, in allen Räumen zu spielen. So kann es Ihnen nahe sein, auch wenn es zwischendurch in seine eigene kleine Spielwelt abtaucht.

Mit einem Regal oder einer Spielekiste und einem kleinen Tisch zum Malen und Basteln ist eine Spielecke ein be­liebter Anlaufpunkt für Ihr Kind. Dies gilt natürlich umso mehr, wenn Ihr Kind kein eigenes Zimmer hat.

Falls es ein Kinderzimmer gibt, dann wird dies nun immer interessanter. Besonders bei Besuch von Spielfreundin­nen oder Spielfreunden werden sich die Kinder gerne ins Kinderzimmer zurückziehen.

Spielend eigene Erfahrungen machen

Ihr Kind möchte auch beim Spielen seine eigenen Er­fahrungen machen. Es wird mit der Zeit feststellen, was geht und was nicht geht. Wenn Ihr Kind z. B. einen Turm baut und dieser dann umfällt, hat es dabei etwas gelernt. Kinder sollen so viel wie möglich selbst ausprobieren.

Hilfe benötigen sie erst, wenn sie nicht mehr weiter­wissen. Erwachsene sollten möglichst keine fertige Lösung präsentieren. Wenn der Turm für das Kind komplett aufgebaut wird, hat es nichts davon. Der Turm soll ja nicht gebaut werden, damit er einfach nur dasteht. Oft ist es das Aufbauen selbst, was die Freu­de beim Spielen bereitet.

Obwohl Ihr Kind nun schon eine Zeit lang alleine spielen kann, braucht es zwischendurch noch Anregungen von Ih­nen. Oft genügt schon ein kleiner Anstoß, damit ein Kind wieder in ein Spiel findet.

Anregungen sind nur dann nötig, wenn Ihr Kind lustlos wirkt und nicht weiß, was es als Nächstes tun könnte.

Eine kurze Phase der Langeweile kann aber auch dazu führen, dass Kinder von sich aus kreativ werden. Hat es mit dem Spielen wieder begonnen, können Sie sich lang­sam zurückziehen. Manche Kinder brauchen aber trotz­dem noch den Blickkontakt zu den Bezugspersonen.

Kindliches Spiel ist fantasievoll

Kinder nutzen Spielsachen oft sehr kreativ und nicht im­mer ist das Spiel des Kindes für Erwachsene nachvollzieh­bar. Sie vermischen Spiele und geben ihnen in ihrer Fan­tasiewelt vielleicht eine komplett neue Bedeutung.

Verbote sind aber manchmal notwendig

Wenn Ihr Kind etwas Verbotenes oder Gefährliches getan oder Dinge im Spiel kaputt gemacht hat, dann sind ein Eingreifen und das Aussprechen von Verboten wichtig. Hilfreich für Ihr Kind ist in so einem Fall eine kurze ver­ständliche Erklärung, warum etwas nicht geht. Z. B., wenn die Wände angemalt wurden, das Spielzeug von Ge­schwistern kaputt gemacht wurde, die Schere unvorsich­tig getragen wurde oder beim Verstecken der erlaubte Bereich verlassen wurde.

Kinder freuen sich über Lob

Lassen Sie Ihr Kind erklären, was es gemalt oder gebaut hat. Wenn Sie Ihr Kind loben möchten, dann sollte das Lob am besten sehr konkret, immer ehrlich und glaubwür­dig sein. Ein "Das hast du wirklich gut gemacht" hört Ihr Kind bestimmt gerne. Wenn Sie aber die Farbauswahl des Bildes oder die Technik des zusammengesetzten Autos hervorheben, wird es sich vielleicht sogar noch mehr freu­en. Möglicherweise wird es beim nächsten Mal noch mehr Farben ausprobieren oder ein noch größeres Auto bauen.

Falls Sie beim Malen, Basteln oder Bauen dabei waren, können Sie auch loben, was Ihnen dabei aufgefallen ist: "Toll, wie vorsichtig du die Schere getragen hast!".

Lob sollte aber nie vergleichend sein. Vermeiden Sie es also, die Leistungen von Geschwistern oder Freundinnen oder Freunden miteinander zu vergleichen.

Ruhe und Rückzug

Kinder, die in ein Spiel vertieft sind, stört es oft, wenn sie unterbrochen werden. Sie können das Spiel dann nur schwer wieder aufnehmen. Wenn ein Kind beim selbstständigen Spielen gestört wird, wird die Entwicklung seiner Aufmerksamkeitsspanne unterbrochen.

Im Freispiel trainieren Kinder übrigens ihre Aufmerksamkeitsspanne und ihre Konzentration.

Geben Sie Ihrem Kind, je älter es wird, deshalb öfter die Gelegenheit, allein zu spielen. Das fördert auch die Selbst­ständigkeit. Besonders wichtig ist dies, wenn Ihr Kind außer Haus betreut wird. Dann ist es mit anderen Kindern zusammen und bekommt – auch durch die Betreuungspersonen – viele Anregungen.

Je nach Tagesform kann Ihr Kind nach einem Tag in der Kita oder einem Tag voller Aktivitäten am Wochenende auch ab einem bestimmten Zeitpunkt sehr anhänglich sein. Vielleicht genießt es dann umso mehr, wenn es mit Ihnen zusammen ein Buch ansehen, etwas anhören oder ansehen darf.

An manchen Tagen ist es aber vielleicht auch noch fit und spielt gerne mit Freundinnen und Freunden am Nachmit­tag auf dem Spielplatz oder zu Hause weiter.

Ein Junge liegt auf dem Teppichboden um ihn herum sind Dinos aufgereiht

Zu viele Spielsachen können überfordern

Haben Kinder sehr viel Spielzeug, dann kann es sein, dass ihnen die Auswahl besonders schwerfällt. Kinder wissen dann nicht, was sie zuerst spielen sollen und beschäftigen sich nicht mehr intensiv mit einer Sache.

Bieten Sie, wenn möglich, immer nur eine Auswahl an Spielsachen an und wechseln diese regelmäßig durch. Hat

Ihr Kind an einer Sache aktuell überhaupt kein Interesse, verstauen Sie das Spielzeug z. B. im Keller. Wenn Sie es nach einer Weile wieder hervorholen, ist es möglicherwei­se umso interessanter und wird wieder viel bespielt, sofern es vom Alter her dann noch passend ist.

Aber nicht an allen Spielsachen wird Ihr Kind Interesse haben. Manche Kinder mögen bestimmte Spielsachen ein­fach nicht. Sie als Eltern können vielleicht nicht glauben, dass Ihr Kind z. B. das selbstgebastelte Puppenhaus völlig ignoriert. Es kann (zumindest im Moment) in seiner Fanta­siewelt eben nichts damit anfangen. Gut möglich, dass das Haus zu einem späteren Zeitpunkt auch zweckentfremdet im Spiel eingesetzt wird. So ist es dann kein Wohnhaus mehr, sondern eine Feuerwehrzentrale oder ein Pferdehof.

Manchmal mögen Kinder Spielsachen aber auch deshalb nicht, weil ihnen die Farbe, der Geruch oder irgendeine andere Kleinigkeit daran nicht gefällt. Ist so eine Spiel­sache ein Geschenk, kann das zu Irritationen führen. Aber Ihr Kind lehnt damit nicht die schenkende Person ab. Es mag das Spielzeug einfach nicht. Nehmen Sie so etwas nicht persönlich.

Freundinnen und Freunde zum Spielen einladen

Ihr Kind ist jetzt in einem Alter, in dem das Spielen mit anderen Kindern immer wichtiger wird. Vielleicht hat es ja in der Kita, in der Spielgruppe oder in der Nachbarschaft erste Freundschaften geschlossen.

Laden Sie diese Kinder zu sich nach Hause ein, besuchen Sie die andere Familie oder verabreden Sie sich draußen.

Rollenspiele

Etwa um den 3. Geburtstag herum entwickeln die meis­ten Kinder eine große Vorliebe für Rollenspiele. In Rollen­spielen können Kinder verarbeiten, was sie erlebt haben.

Rollenspiele lassen sich schlecht alleine spielen. Die Zeit der Rollenspiele ist eine Phase, in der Ihr Kind lernt, mit anderen Personen zu spielen. Im Rollenspiel trainiert es seine sozialen Fähigkeiten. Es lernt, sich in andere hin­einzuversetzen und auch anderen deren Rolle zu lassen.

Wenn Sie mitspielen, erfahren Sie viel darüber, was Ihr Kind beschäftigt. Ihr Kind wird dann vielleicht mit großer Begeisterung die Rolle mit Ihnen tauschen wollen. Plötz­lich sollen Sie das Kind sein und Ihr Kind übernimmt die Rolle der Mama oder des Papas oder einer Erzieherin. Häufig werden auch Situationen aus dem Alltag nachge­spielt, wie etwa Einkaufen oder ein Arztbesuch.

Nicht nur Eltern sind Rollenvorbilder.

Damit Ihr Kind in die Welt der Rollenspiele abtauchen kann, braucht es einige Fähigkeiten. So muss es geistig in der Lage sein, sich eine Situation auszudenken und sich gleichzeitig sprachlich auszudrücken. Je jünger Kinder sind, desto schwieriger ist es für sie, in den aus­gesuchten Rollen zu bleiben.

Es gibt auch verschiedene Verkleidungen oder Spielzeu­ge, wie einen Arztkoffer, mit denen Kinder in verschiede­ne Rollen schlüpfen können. Meist ist jedoch gar nicht so viel an Zubehör nötig, damit die Kinder in die Rollen von anderen Personen schlüpfen können. Eine Küchenpapier­rolle wird z. B. zum Piratenfernrohr, ein Wäschekorb wird zum Piratenschiff und schon ist man mitten im Spiel.

Ein kleines Mädchen spielt in der Küche mit dem Besteckkasten der Spülmaschine

Körpererkundungsspiele

Zwischen 3 und 6 Jahren beginnen sich Kinder für das eigene und auch das andere Geschlecht zu interessie­ren. Mit sexuellem Interesse hat diese Neugier allerdings nichts zu tun. Es ist der Entdeckungsdrang, der die Kinder antreibt. Gemeinsamkeiten und auch Unterschiede wer­den nun erforscht.

Kinder sind neugierig und wollen ihren eigenen Körper und den der anderen erforschen.

In sogenannten Körpererkundungsspielen bzw. körper­lichen Wahrnehmungsspielen, oft auch "Doktorspiele" genannt, schauen sich manche Kinder gegenseitig an be­stimmten Stellen an. Sie überzeugen sich davon, dass sie selbst genauso sind wie andere Mädchen bzw. Jungen. Oder sie erkunden das andere Geschlecht und verstehen auf diesem Weg, welche Unterschiede es gibt.

Wenn Sie als Eltern in so ein Spiel hineinplatzen, fühlen Sie sich vielleicht verunsichert. Es wäre jedoch falsch, mit den Kindern zu schimpfen oder das Spiel zu unterbinden. Das könnte die Botschaft vermitteln, das Erkunden der Körper sei etwas Falsches und Negatives. Je entspannter Sie in einer solchen Situation reagieren, desto besser.

Regeln für Körpererkundungsspiele

  • Wichtig ist, dass alle beteiligten Kinder mit dem Körpererkundungsspiel einverstanden sind. Schreiten Sie ein, wenn Sie das Gefühl haben, dass es einem Kind nicht gut dabei geht.
  • Ebenso problematisch ist es, wenn ein älteres Kind ein jüngeres bedrängt oder ausnutzt. In solch einem Fall kann es sich um einen sexuellen Übergriff unter Kin­dern handeln. Hier muss das schwächere Kind selbst­verständlich geschützt werden.
  • Zudem dürfen bestimmte Grenzen nicht überschritten werden: Es dürfen keine Dinge oder Finger in Körper­öffnungen eines anderen Kindes gesteckt werden. Hier sind alle Körperöffnungen gemeint: Nase, Ohr, Mund, After, Vulva.
  • Kein Kind darf einem anderen Kind beim Spiel wehtun.
  • Und wenn ein Kind "Nein" sagt und nicht weiterspielen möchte, muss dies von allen anderen akzeptiert werden.

"Nein" sagen zu lernen, ist wichtig

Um Missbrauch jeglicher Art vorzubeugen, sollten Sie Ihr Kind im­mer und schon früh darin bestär­ken, dass es jederzeit "Nein" sagen darf. Besonders dann, wenn es um Berührungen am Körper des Kindes geht.

Sie können Ihr Kind stärken, indem Sie ihm erklären, dass Menschen unterschiedliche Dinge schön oder unangenehm finden. Spre­chen Sie mit Ihrem Kind klar darü­ber, dass nur es selbst bestimmen darf, wer seinen Körper anfasst und an welchen Stellen es ange­fasst werden möchte. Dazu ge­hören auch Kitzeln oder sonstige Arten der körperlichen Neckerei.

Wenn es etwas nicht möchte, darf und soll es jederzeit Nein sagen. Sätze wie "Nein, das möchte ich nicht!" oder "Stopp, das ist mein Körper!" können Ihrem Kind da­bei helfen. Das können Sie immer mal wieder zusammen üben.

Wenn Ihr Kind etwas seltsam fin­det oder ihm etwas unangenehm ist, sollte es zudem wissen, dass es einer erwachsenen Person da­von erzählen darf und soll. Diese wird dann helfen. Bei Fragen dazu können Sie sich auch an eine Er­ziehungsberatungsstelle wenden oder sich online beraten lassen.

Erziehungsberatungsstelle

Erziehungs- und Jugendberatungsstellen unterstützen Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei Fragen zur Erziehung und zum Familienalltag, z. B. bei körperlichen Auffälligkeiten wie Essstörungen, bei Entwicklungs­verzögerung, bei emotionalen Problemen wie Ängsten oder Unsicherheiten mit dem Körper. Auch bei Trennungssituationen der Eltern können sich Familien an die Beratungsstelle wenden.

Hier finden Sie eine Erziehungsbera­tungsstelle in Ihrer Nähe.