40. Elternbrief Erziehungsratgeber Bayerisches Landesjugendamt

2 komplett umgebaut wird. Vor al­ lem die Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen – die Synapsen, die Reize übertragen und Infor­ mationen speichern – werden neu gestaltet. Sie werden quasi „um­ gestöpselt“. Man kann sich das ju­ gendliche Gehirn so ähnlich wie einen Computer vorstellen, bei dem die Dateien neu aufgespielt werden. Ein wichtiger Teil unseres Ge­ hirns, der Stirnlappen (der „Prä­ frontale Cortex“), ist zuständig für den Bereich Vernunft . Er ermög­ licht rationale Bewertungen, die Einschätzung von Konsequenzen und die Kontrolle von Impulsen. Solange sich dieser Teil des Ge­ hirns im Umbau befindet, greift es auf einen anderen Bereich zurück, nämlich den, der die Gefühle re­ guliert und bestimmt. Wenn also der Stirnlappen noch nicht ausge­ reift und die Vernetzung zwischen den Nervensträngen noch nicht richtig „geschaltet“ ist, können Kinder und Jugendliche gar nicht anders, als unüberlegt, spontan und „aus dem Bauch heraus“ zu reagieren. Sie flippen aus und ha­ ben ihre Gefühle nicht unter Kon­ trolle – weil ihr Gehirn es noch gar nicht anders kann! Ein anderes Beispiel ist der Botenstoff Dopamin. Dopamin ist daran beteiligt, dass wir Glücks­ gefühle empfinden und wird des­ halb auch gerne als „Glückshor- mon“ bezeichnet. Es wird zum Beispiel beim Essen und Trinken, beim Sex, aber auch beim Al­ kohol- und Drogenkonsum pro­ duziert und weckt in uns den Wunsch, den Genuss zu wieder­ holen. Dopamin wird selbst dann ausgeschüttet, wenn auch nur die Aussicht auf Belohnung besteht. Bei den Pubertierenden funktio­ niert dieses System jedoch zeit­ weise nicht. Darum fehlt es ihnen oft an der Motivation, etwas zu tun oder sich anzustrengen. Ein Grund dafür, dass Teen­ ager abends so spät ins Bett ge­ hen und am Morgen dafür ent­ sprechend schwer wieder aus den Federn kommen, ist das Schlaf­ hormon Melatonin. Es wird bei Jugendlichen in der Pubertät häu­ fig mit Verspätung ausgeschüttet. Der vertraute Wach- und Schlaf- rhythmus aus Kinderzeiten ändert sich grundlegend. Jugendliche müssen so reagieren.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI4NDAy