Elternbrief Nr. 38

3 Verteidigen Sie Ihre Überreaktion nicht. In einer Familie kann es immer einmal vorkommen, dass man sich streitet und gegenseitig be- leidigt. Diesmal sind Sie derje- nige, der zu heftig reagiert hat und Sie haben deswegen auch ein schlechtes Gewissen. Aller- dings sind Sie auch verärgert über den, der Sie so gereizt hat. Wie könnten Sie in so einer Si- tuation am besten reagieren? Gehen Sie in einem ruhigen Moment auf den anderen zu. Sagen Sie unumwunden, dass es Ihnen leidtut. Verzichten Sie auf Recht- fertigungen. Wenn auf eine Entschuldigung gleich wie- der eine Anklage folgt, wird Ihr Gegenüber keine Lust ha- ben, mit Ihnen noch weiter zu sprechen. Denken Sie darüber nach, wie Sie Entgleisungen in Zukunft vermeiden wollen. Schieben Sie dabei die Verantwortung nicht auf den anderen. Über- legen Sie, was Sie selbst tun können. Vielleicht regt sich bei der anderen Person die Einsicht, dass sie ebenfalls zum Streit beigetragen hat – vielleicht aber auch nicht. Beharren Sei nicht darauf, die Schuld zu teilen. Für Ihren Anteil am Geschehen haben Sie je- denfalls die Verantwortung übernommen, und das ist das Wichtigste. Wenn Sie sich bei Ihrem Kind entschuldigen, geben Sie ihm ein gutes Beispiel dafür, wie es selbst reagieren kann, wenn es etwas falsch gemacht hat. Es lernt, dass eine Entschuldi- gung nicht entwürdigend ist, sondern sich daraus im besten Fall sogar ein gutes Gespräch entwickeln kann, bei dem auch wieder Nähe entsteht. Wenn sich Ihr Kind bei Ihnen entschuldigt, und sei es noch so unbeholfen, nehmen Sie diese Entschuldigung an. Ihr Kind musste schließlich dafür über seinen eigenen Schatten sprin- gen. Nehmen Sie es in den Arm und verzeihen Sie ihm. Überle- gen Sie aber auch gemeinsam, wie Sie es in Zukunft schaffen könnten, freundlicher und lie- bevoller miteinander umzuge- hen. Wie entschuldigt man sich richtig?

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