36. Elternbrief Erziehungsratgeber Bayerisches Landesjugenda

2 nen sich auch die primären (äu- ßeren) Geschlechtsmerkmale zu entwickeln. Beim Jungen wachsen der Penis und die Hoden, beim Mädchen die Vagina, Gebärmut­ ter und Eileiter. Ursache für diese Entwicklung ist die vermehrte Pro­ duktion von Hormonen – Östro­ gene bei den Mädchen und Tes­ tosterone bei den Jungen. Sie las­ sen auch die ersten Härchen an der Oberlippe und unter den Ach­ seln sprießen. Erste Schamhaa­ re zeigen sich, die Hodensäcke und Brustwarzen werden dunkler. Auch die Brüste entwickeln sich. Der Körper der Mädchen wird ins­ gesamt gerundeter, bei den Jun­ gen bildet sich die Muskulatur aus, sie werden kantiger. Diese Veränderungen des Kör­ pers sind ein massiver Eingriff, der Kinder ziemlich aus der Bahn wer­ fen kann. Die Hosen werden stän­ dig zu kurz, die Oberteile zu eng. Viele Kinder fühlen sich in ih- rem eigenen Körper nicht mehr wohl und würden am liebsten im Erdboden versinken, wenn sie da­ rauf angesprochen werden. Einige sind jetzt extrem schamhaft und vieles ist ihnen peinlich. Während sie sich zum Beispiel noch vor ei­ niger Zeit ungeniert nackt vor den Eltern oder Geschwistern gezeigt haben, fangen sie jetzt an, die Ba­ dezimmertür zu verschließen. Auch seelisch verändern sich die Kinder. Sie sind extremen Lau- nen unterworfen – manchmal him­ melhoch jauchzend, dann wie­ der zu Tode betrübt. Sie sind reiz­ bar, oft sogar aggressiv. Plötzlich haben sie Geheimnisse und ge­ brauchen auch schon mal die eine oder andere Lüge. Sie distan­ zieren sich von den Eltern, bau­ en an ihrer eigenen kleinen Welt. Sie orientieren sich neu. Das al­ les ist aufregend und spannend, aber auch anstrengend, und zwar nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern. Über die wei­ teren Entwicklungsstufen werden Sie zu gegebener Zeit lesen (siehe Elternbriefe 40 und 46). Die kindlichen Proportionen ver- ändern sich .

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