Elternbrief Nr. 12

2 Manche berufstätige Mut- ter ist erstaunt, dass ihre Toch- ter gern als Hausfrau agiert und im Sandkasten Knödel zubereitet. Und mancher Vater, der Eltern- zeit in Anspruch nimmt, kann sich nicht vorstellen, warum sein Sohn den lieben langen Tag Rennfah- rer spielt. Zu Recht werden Sie sich fragen: „Wie kommt mein Kind ausgerechnet auf dieses Rol- lenmuster ?“ Dazu ist zu sagen: Nicht nur Sie als Eltern haben Einfluss auf Ihr Kind! Auch Groß- eltern, Eltern von Freunden oder Verwandte sind prägend. Zudem bildet Ihr Kind gerade seine ge- schlechtliche Identität aus. Es er- kennt, dass es Jungen und Mäd- chen gibt und dass sich diese in manchem unterscheiden. Kör- perliche Unterschiede spielen bei Kleinkindern keine große Rol- le. Aus Kindersicht ist ein Junge, wer Jungshosen anhat und schnell Dreirad fahren kann, ein Mädchen dagegen trägt „Mädchensachen“ und hat lange Haare. Doch keine Angst, diese einseitigen Vorstel- lungen lockern sich spätestens im Schulalter. Aber in so jungen Jahren sehen sich Kinder eben meist sehr stark in ihrer Rolle als Junge oder Mädchen. Auch andere Rollenspiele sind in dem Alter beliebt: Etwa Kaufladen oder Kuchen backen im Sandkasten, ein Arztbesuch oder eine Urlaubsreise: Kinder spielen das nach, was sie im Alltag erle- ben und was sie beschäftigt . Da- bei können sie auch verarbeiten, was sie belastet. Horchen Sie gut hin – und spielen Sie auch selber mit. Sie können Ihr Kind dabei sehr viel besser kennenlernen . Rollenspiele lassen sich schlecht alleine spielen. Und so ist die Zeit der Rollenspiele auch eine Pha- se, in denen Ihr Kind lernt, mit an- deren Kindern zu spielen. Im Rol- lenspiel trainiert es seine sozialen Fähigkeiten , lernt, sich in andere hineinzuversetzen und auch ande- ren deren Rolle zu lassen. Die Zeit der Rollenspiele Haben Sie in letzter Zeit einmal Papa-Mama-Kind gespielt? Oder Kaufladen? Dann waren Sie in ein „Rollenspiel“ einge­ bunden: Rollenspiele werden im Alter zwischen zwei und drei Jahren interessant. Ihr Kind ahmt dabei andere Personen oder Handlungen nach. Gerne schlüpft es in die Rolle von Mama oder Papa, denn die beiden kennt es am besten. Schauen Sie gut hin, wie Ihr Kind Sie als Eltern nachahmt. Sie können daran erken­ nen, wie Ihr Kind Sie täglich erlebt. Nicht nur die Eltern sind Rollenvorbilder.

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